Vertragsärztliche Arbeitsgemeinschaft "Gefäßerkrankungen"

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Mitgliederversammlung 22.9.200
Arztsuche bei V-A-G.de
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Pressemitteilung 3

ZUR VERÖFFENTLICHUNG

Venöse Beinleiden 

Prophylaxe und Therapie

  

Dr. M. Emter

 

Die in vielen Studien belegte hohe Inzidenz von venösen Beinleiden lässt es angeraten erscheinen, das Augenmerk auf erste Symptome zu richten, die regelhaft vom Patienten subjektiv empfunden und beklagt werden. Nur so können Venenleiden rechtzeitig erkannt werden und zu einer entsprechenden Diagnostik und nach fachkompetenter Beratung zu einer suffizienten Therapie führen.

Insbesondere muß auf Risikofaktoren geachtet und der Patient auf diese aufmerksam gemacht werden. Prophylaktische und unterstützende Maßnahmen für respektive gegen veneninduzierte Beschwerden sollten dem Patienten immer wieder vorgestellt werden, da Venenleiden sehr häufig einen chronischen Verlauf aufweisen und ein dauerhafter Erfolg von der Mitarbeit des Patienten ganz wesentlich abhängt.

Zunächst müssen Beinleiden grundsätzlich einer genauen Diagnostik zugeführt werden, um die Sicherheit eines therapeutisch adäquaten Vorgehens zu gewährleisten. Hat sich der Verdacht erhärtet, daß die Beinbeschwerden aus dem phlebologischen Bereich stammen, muß weiterhin differenziert werden, um nicht Gefahr einer Unterversorgung des Patienten zu laufen.

Typische "Venen"- Beschwerden auch bei nicht sichtbaren Varizen sind die oft beklagten "schweren Beine", kribbelnde oder brennende Füße. Schon hinweisend auf schwerwiegendere Störungen können Wadenkrämpfe oder Schwellneigung der Beine bedeuten. Strangförmige Hautrötung im Bereich einer Vene mit deutlichem, örtlichen Druck- und Bewegungsschmerz und Überwärmung in diesem Bereich sind Zeichen einer Thrombophlebitis, einer "oberflächlichen Venenentzündung". Die Schwellung des Beines mit Druck- und Bewegungsschmerz mit rötlich-livider Hautverfärbung und Überwärmung kann Ausdruck einer Phlebothrombose, einer "tiefen Venenthrombose", sein mit der Gefahr einer Lungenembolie. Das Ulcus cruris, das "offene Bein", stellt die Spätkomplikation einer schweren Veneninsuffizienz dar.

Bei ersten Beschwerden sollten Patienten auf die selbst durchzuführenden "prophylaktischen" Maßnahmen wie Gymnastik, kalte Güsse und Meidung von Überwärmung hingewiesen werden. Auch kann in diesem Stadium eine medikamentöse Therapie wesentliche Erleichterung verschaffen (Rosskastaniensamenextrakt, z.B. Venostasin). Bei ausgeprägteren Beschwerden sollte eine Therapie ausschließlich befundorientiert durchgeführt werden.

Die Therapie erfordert vom Patienten regelhaft Geduld und Disziplin, da z.B. Wadenkrämpfe mit einer Kompressionstherapie innerhalb kürzester Zeit nicht mehr auftreten, jedoch die Veneninsuffizienz damit nicht "geheilt" ist, sondern nur bei dauerhaftem Tragen von  medizinischen Kompressionsstrümpfen (regelhaft Kompressionsklasse 2, z.B. medi-Strumpf) die Beschwerdefreiheit gewährt ist.

Varizen kleineren Ausmaßes (Besenreiser, retikuläre Varizen, kleine Seitenäste) können einer "Sklerosierungsbehandlung" (Verödung) zugeführt werden. Bei größeren Seitenästen oder Stammvarikose sollte eine operative Sanierung angestrebt werden.

Eine chronische Veneninsuffizienz ohne sichtbare variköse Veränderungen bis hin zur Folgeerscheinung eines postthrombotischen Syndroms sollte je nach Schwellneigung des Beins mit einer adäquaten Kompressionstherapie eventuell in Kombination mit kurzfristig eingesetzten Diuretika und beschwerdelindernden Venenmedikamenten behandelt werden.

Die Thrombophlebitis ("oberflächliche Venenentzündung") wird durch Auftragung von kühlenden,  eventuell antiphlogistische Komponenten (z.B. Diclofenac) enthaltenden Gelen lokal behandelt und durch eine adjuvante analgetische systemische Behandlung (z.B. Paracetamol, Diclofenac)ergänzt. Eine Kompression verhindert die weitere Ausbreitung der Entzündung und die weitere Bildung von Thromben im entzündeten Bereich.

Die Phlebothrombose muss unter ärztlicher Aufsicht bleiben, da hierbei immer die Gefahr einer Lungenembolie droht. Wie in gefäßtherapeutischen Kreisen schon üblich und in Studien belegt wird eine Kompressionstherapie in Kombination mit einer systemischen Antikoagulation (niedermolekulare Heparine s.c., z.B. Innohep) ambulant durchgeführt und der Patient soll weiter mobilisiert bleiben.Die Komplikationen bei einem solchen Therapieregime sind nachgewiesenermaßen viel geringer als unter stationären klinischen Bedingungen. Die Indikation zur stationären Einweisung besteht nicht mehr in der Diagnose "Phlebothrombose", sondern ggfls. in der Unsicherheit des Patienten oder der sozialen Strukturen.

Generell muß bei Venenleiden davon ausgegangen werden, dass nur in den seltensten Fällen eine Heilung erfolgt in dem Sinne, dass der Patient nie wieder Beschwerden hat. Eine familiäre Disposition zur Venenerkrankung oder berufliche Gegebenheiten, die häufiges Stehen oder Sitzen mit sich bringen, werden häufig wieder zu Beschwerden führen, wenn nicht entsprechend entgegengewirkt wird.

Somit stellt das Erkennen von Frühsymptomen bei Patienten und die Durchführung von prophylaktischen Maßnahmen eine wesentliche Voraussetzung dafür dar, dass die Veneninsufffizienz nicht schnell voranschreitet und schwere Störungen verursacht. Ebenso wichtig ist bei Patienten mit bereits vorhandenen Schädigungen die Motivation zur Durchführung einer Therapie zu erhalten.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Vertragsärztliche Arbeitsgemeinschaft Gefäßerkrankungen
Michael Emter, Bödeckerstr. 73, 30161 Hannover
Tel: (0511) 620285
FAX: (0511) 620284
Internet: info@v-a-g.de

 

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Copyright © 2000 Dr. Peter Waldhausen Vertragsärztliche Arbeitsgemeinschaft Gefäßerkrankungen
Stand: 18. December 2005