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ZUR VERÖFFENTLICHUNG
Venöse BeinleidenProphylaxe und Therapie Dr. M.
Emter Die in
vielen Studien belegte hohe Inzidenz von venösen Beinleiden lässt es angeraten
erscheinen, das Augenmerk auf erste Symptome zu richten, die regelhaft vom
Patienten subjektiv empfunden und beklagt werden. Nur so können Venenleiden
rechtzeitig erkannt werden und zu einer entsprechenden Diagnostik und nach
fachkompetenter Beratung zu einer suffizienten Therapie führen. Insbesondere
muß auf Risikofaktoren geachtet und der Patient auf diese aufmerksam gemacht
werden. Prophylaktische und unterstützende Maßnahmen für respektive gegen
veneninduzierte Beschwerden sollten dem Patienten immer wieder vorgestellt
werden, da Venenleiden sehr häufig einen chronischen Verlauf aufweisen und ein
dauerhafter Erfolg von der Mitarbeit des Patienten ganz wesentlich abhängt. Zunächst müssen
Beinleiden grundsätzlich einer genauen Diagnostik zugeführt werden, um die
Sicherheit eines therapeutisch adäquaten Vorgehens zu gewährleisten. Hat sich
der Verdacht erhärtet, daß die Beinbeschwerden aus dem phlebologischen Bereich
stammen, muß weiterhin differenziert werden, um nicht Gefahr einer
Unterversorgung des Patienten zu laufen. Typische
"Venen"- Beschwerden auch bei nicht sichtbaren Varizen sind die oft
beklagten "schweren Beine", kribbelnde oder brennende Füße. Schon
hinweisend auf schwerwiegendere Störungen können Wadenkrämpfe oder
Schwellneigung der Beine bedeuten. Strangförmige Hautrötung im Bereich einer
Vene mit deutlichem, örtlichen Druck- und Bewegungsschmerz und Überwärmung in
diesem Bereich sind Zeichen einer Thrombophlebitis, einer "oberflächlichen
Venenentzündung". Die Schwellung des Beines mit Druck- und
Bewegungsschmerz mit rötlich-livider Hautverfärbung und Überwärmung kann
Ausdruck einer Phlebothrombose, einer "tiefen Venenthrombose", sein
mit der Gefahr einer Lungenembolie. Das Ulcus cruris, das "offene
Bein", stellt die Spätkomplikation einer schweren Veneninsuffizienz dar. Bei ersten
Beschwerden sollten Patienten auf die selbst durchzuführenden
"prophylaktischen" Maßnahmen wie Gymnastik, kalte Güsse und Meidung
von Überwärmung hingewiesen werden. Auch kann in diesem Stadium eine
medikamentöse Therapie wesentliche Erleichterung verschaffen
(Rosskastaniensamenextrakt, z.B. Venostasin). Bei ausgeprägteren Beschwerden
sollte eine Therapie ausschließlich befundorientiert durchgeführt werden. Die
Therapie erfordert vom Patienten regelhaft Geduld und Disziplin, da z.B. Wadenkrämpfe
mit einer Kompressionstherapie innerhalb kürzester Zeit nicht mehr auftreten,
jedoch die Veneninsuffizienz damit nicht "geheilt" ist, sondern nur
bei dauerhaftem Tragen von
medizinischen Kompressionsstrümpfen (regelhaft Kompressionsklasse 2,
z.B. medi-Strumpf) die Beschwerdefreiheit gewährt ist. Varizen
kleineren Ausmaßes (Besenreiser, retikuläre Varizen, kleine Seitenäste) können
einer "Sklerosierungsbehandlung" (Verödung) zugeführt werden. Bei größeren
Seitenästen oder Stammvarikose sollte eine operative Sanierung angestrebt
werden. Eine
chronische Veneninsuffizienz ohne sichtbare variköse Veränderungen bis hin zur
Folgeerscheinung eines postthrombotischen Syndroms sollte je nach Schwellneigung
des Beins mit einer adäquaten Kompressionstherapie eventuell in Kombination mit
kurzfristig eingesetzten Diuretika und beschwerdelindernden Venenmedikamenten
behandelt werden. Die
Thrombophlebitis ("oberflächliche Venenentzündung") wird durch
Auftragung von kühlenden, eventuell antiphlogistische Komponenten (z.B.
Diclofenac) enthaltenden Gelen lokal behandelt und durch eine adjuvante
analgetische systemische Behandlung (z.B. Paracetamol, Diclofenac)ergänzt. Eine
Kompression verhindert die weitere Ausbreitung der Entzündung und die weitere
Bildung von Thromben im entzündeten Bereich. Die
Phlebothrombose muss unter ärztlicher Aufsicht bleiben, da hierbei immer die
Gefahr einer Lungenembolie droht. Wie in gefäßtherapeutischen Kreisen schon üblich
und in Studien belegt wird eine Kompressionstherapie in Kombination mit einer
systemischen Antikoagulation (niedermolekulare Heparine s.c., z.B. Innohep)
ambulant durchgeführt und der Patient soll weiter mobilisiert bleiben.Die
Komplikationen bei einem solchen Therapieregime sind nachgewiesenermaßen viel
geringer als unter stationären klinischen Bedingungen. Die Indikation zur
stationären Einweisung besteht nicht mehr in der Diagnose "Phlebothrombose",
sondern ggfls. in der Unsicherheit des Patienten oder der sozialen Strukturen. Generell
muß bei Venenleiden davon ausgegangen werden, dass nur in den seltensten Fällen
eine Heilung erfolgt in dem Sinne, dass der Patient nie wieder Beschwerden hat.
Eine familiäre Disposition zur Venenerkrankung oder berufliche Gegebenheiten,
die häufiges Stehen oder
Sitzen mit sich bringen, werden häufig wieder zu Beschwerden führen, wenn
nicht entsprechend entgegengewirkt wird. Somit
stellt das Erkennen von Frühsymptomen bei Patienten und die Durchführung von
prophylaktischen Maßnahmen eine wesentliche Voraussetzung dafür dar, dass die
Veneninsufffizienz nicht schnell voranschreitet und schwere Störungen
verursacht. Ebenso wichtig ist bei Patienten mit bereits vorhandenen Schädigungen
die Motivation zur Durchführung einer Therapie zu erhalten.
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